WhatsApp LogoVor ca. einem Jahr gab es bereits Gerüchte, dass Facebook Interesse an WhatsApp hat. Gestern Abend ist es dann tatsächlich passiert: Facebook hat WhatsApp für 16 Millionen Dollar übernommen.

Was bedeutet das für die Daten, die wir als Nutzer bei diesen Diensten liegen haben? Facebook hat umfangreiche Datenbestände von Millionen Personen, die jeder Einzelne freiwillig fein säuberlich in die Datenbank einpflegt. Außerdem kennt Facebook ein weitestgehend vollständiges Beziehungsgeflecht der Personen.

Was hat WhatsApp von den Nutzern? WhatsApp kennt zunächst einmal natürlich die eigene Telefonnummer. Daneben überträgt man all seine Adressbuch-Kontakte inklusive deren Telefonnummern im Klartext auf die WhatsApp-Server. Auch von denen, die WhatsApp selbst gar nicht nutzen! Was außerdem noch auf den Servern liegt, kann man nicht so genau nachvollziehen. Man muss dem Unternehmen schlichtweg vertrauen. Rein von den Betriebssystem-Rechten gesehen darf WhatsApp nämlich nahezu alles, also z.B. das Mikrofon abhören, selbst wenn die App im Hintergrund läuft oder auf sämtliche Dateien (Fotos, Videos, Dokumente, …) zugreifen und diese theoretisch auf die WhatsApp-Server übertragen. Niederländische Behörden wollen herausgefunden haben, dass WhatsApp unbemerkt Daten auf amerikanische Server sendet, selbst, wenn man den Dienst gerade gar nicht nutzt und bezeichnen den Dienst als „Super-Wanze“.

Während die Facebook-App, die viele Facebook-Nutzer installiert haben, ähnliche Berechtigungen fordert, kommen bei WhatsApp noch zusätzlich die Nachrichten hinzu. Oft werden auch vertrauliche Daten via WhatsApp versendet, weil sich die Nutzer überhaupt keine Gedanken darüber machen, was damit alles passieren kann. Grundsätzlich kann man festhalten, man sollte keine Nachrichten via WhatsApp versenden, die man nicht auch genau so quer über einen Marktplatz schreien würde bzw. keine Fotos, die man nicht in der Fußgängerzone auch an die Wand hängen würde. Denn viel vertraulicher ist die ganze Sache nicht.

Nun sind aber diese zwei großen Datensammler zusammen gekommen. All die Daten, die vorher unabhängig voneinander gespeichert waren, können nun miteinander verknüpft werden. So erfährt Facebook noch mehr über seine Nutzer und es können dadurch noch genauere Profile der Nutzer erstellt werden. Jan Koum, einer der WhatsApp-Gründer schreibt in dem offiziellen Blog, dass WhatsApp weiterhin als eigenständiger Dienst laufen soll. Sollte dies wirklich so sein,  würde das die Nutzer wahrscheinlich weniger Nachdenklich machen, da sich für sie nichts verändert und es ein von Außen gesehen eigenständiger, unabhängiger Dienst zu sein scheint.

Alternativen

Gut durchdachte Alternativen zu Facebook gibt es zwar theoretisch, allerdings ist man da sehr allein, was ein soziales Netzwerk irgendwie nutzlos erscheinen lässt. Zu WhatsApp gibt es allerdings mittlerweile alternative Dienste, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Allen voran Threema. Dieser setzt auf End-zu-End-Verschlüsselung. Das bedeutet, dass man als Absender eine Nachricht immer so verschlüsselt, dass ausschließlich der Empfänger in der Lage ist, diese zu entschlüsseln. Und das passiert automatisch bereits auf dem Gerät des Absenders. Mit anderen Worten: Niemand kann mitlesen, auch die Threema-Betreiber selbst nicht. Hinzu kommen Methoden, die den Adressbuchabgleich genau so einfach machen wie WhatsApp, ohne dabei die personenbezogenen Daten auf deren Server zu übertragen. Man muss auch keine Verknüpfung mit der eigenen Telefonnummer aufbauen, sondern kann theoretisch komplett anonym mit einer kryptischen ID kommunizieren (was allerdings die Einfachheit, die man von WhatsApp gewohnt ist zunichte machen würde). Dem Nutzer ist aber völlig freigestellt, was man hinterlegt und was nicht.

threema

Kurzum: Genau so einfach wie WhatsApp, dafür kompromisslos in Sachen Sicherheit.

Die App ist verfügbar für Android (einmalig 1,60€) und iOS (einmalig 1,79€). Zu den Kosten sollte man bedenken: WhatsApp ist nach Ablauf von 2 Jahren bereits teurer (1 Jahr gratis + 0,89€ pro Jahr), allerdings war das vielleicht auch der Erfolg von WhatsApp. Ein Jahr lang gratis testen bedeutet, es kann sich als primärer Kommunikationskanal etablieren und dann will bzw. kann man schwer darauf verzichten. Die einmaligen Kosten von Threema sind dagegen absolut sicher angelegt.

One thought on “Facebook kauft WhatsApp: Was bedeutet das für mich?

  1. Jakob

    Sehr viele Nutzer haben diesen Kauf zum Anlass genommen, sich von Whatsapp zu distanzieren. Konkurrenten wie Threema haben davon profitiert. Hier bleibt allerdings abzuwarten, ob die Nutzer auch auf Dauer zur Konkurrenz wechseln oder ob es sich lediglich um eine Kurzschlussreaktion gehandelt hat. Dies wird man aber erst mit der Zeit feststellen können.

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